Die doppelte Buchhaltung ist das in Italien und vielen anderen Ländern übliche System zur Erfassung von Geschäftsvorfällen. Jeder Geschäftsvorgang wird dabei zweimal – auf unterschiedlichen Konten – erfasst. Dadurch entsteht ein vollständiges Bild über Vermögen, Schulden, Erträge und Aufwendungen eines Unternehmens.
Die doppelte Buchführung bildet die Grundlage für die Erstellung des Jahresabschlusses und insbesondere der Bilanz sowie der Gewinn- und Verlustrechnung.
Was bedeutet doppelte Buchhaltung?
Der Begriff „doppelt“ bedeutet nicht, dass ein Geschäftsvorgang zweimal identisch verbucht wird. Vielmehr wird jeder Vorgang aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erfasst:
- Woher kommt der Wert?
- Wo befindet sich der Wert?
Jede Buchung besteht daher aus mindestens einem Soll- und einem Haben-Konto. Beide Seiten müssen immer denselben Betrag aufweisen.
Beispiel:
Ein Unternehmen kauft einen Computer für 1.000 € und bezahlt diesen per Banküberweisung.
Die Buchung lautet vereinfacht:
Büroausstattung 1.000 € an Bank 1.000 €
Das Unternehmen besitzt danach einen höheren Sachwert, während gleichzeitig das Bankguthaben sinkt.
Die wichtigsten Konten der doppelten Buchhaltung
Die doppelte Buchhaltung arbeitet mit verschiedenen Konten, die grundsätzlich in zwei Gruppen eingeteilt werden.
Bestandskonten
Bestandskonten erfassen Werte, die das Vermögen oder die Finanzierung eines Unternehmens betreffen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Bankkonten
- Kassenbestand
- Forderungen gegenüber Kunden
- Maschinen und Fahrzeuge
- Eigenkapital
- Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten
Bestandskonten zeigen somit, welche Werte ein Unternehmen besitzt und welche Verpflichtungen bestehen.
Weitere Informationen finden Sie auch im Lexikon-Beitrag Bestandskonto.
Erfolgskonten
Erfolgskonten erfassen alle Geschäftsvorgänge, die den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens beeinflussen.
Dazu gehören insbesondere:
Aufwendungen:
- Personalkosten
- Mieten
- Materialkosten
- Abschreibungen
- Versicherungen
Erträge:
- Umsatzerlöse
- sonstige betriebliche Erträge
- Zinserträge
Während Bestandskonten die Vermögens- und Finanzlage eines Unternehmens darstellen, zeigen Erfolgskonten die Veränderungen während eines bestimmten Zeitraums. Die erfassten Aufwendungen und Erträge dienen der Ermittlung des Unternehmensergebnisses.
Weitere Informationen finden Sie im Lexikon-Beitrag Erfolgskonto.
Warum ist die doppelte Buchhaltung wichtig?
Die doppelte Buchführung erfüllt mehrere Funktionen:
- Sie ermöglicht eine genaue Kontrolle aller Geschäftsvorgänge.
- Sie zeigt die finanzielle Situation eines Unternehmens.
- Sie schafft eine nachvollziehbare Grundlage für steuerliche Berechnungen.
- Sie unterstützt Unternehmer bei wirtschaftlichen Entscheidungen.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass durch das ausgeglichene Buchungssystem Fehler leichter erkannt werden können. Stimmen Soll- und Habenwerte nicht überein, liegt häufig ein Fehler in der Verbuchung vor.
Doppelte Buchhaltung in Italien
In Italien wird die doppelte Buchhaltung als contabilità ordinaria bezeichnet.
Sie ist insbesondere für folgende Unternehmen verpflichtend:
- Kapitalgesellschaften wie GmbH oder AG;
- Unternehmen, welche bestimmte gesetzliche Umsatzgrenzen überschreiten;
- bestimmte andere Unternehmen aufgrund ihrer Rechtsform oder Tätigkeit.
Kleinere Unternehmen können unter bestimmten Voraussetzungen die vereinfachte Buchhaltung (contabilità semplificata) anwenden.
Der Unterschied besteht vor allem darin, dass bei der vereinfachten Buchhaltung die Erfassung der Geschäftsvorgänge weniger umfangreich ist und nicht alle Regeln der ordentlichen Buchführung angewendet werden.
Welche Buchhaltungsmethode anzuwenden ist, hängt insbesondere von der Rechtsform, der Tätigkeit und der Größe des Unternehmens ab.
Zusammenhang mit dem Jahresabschluss
Die laufende Buchhaltung bildet die Grundlage für die Erstellung des Jahresabschlusses.
Durch die Verbuchung sämtlicher Geschäftsvorgänge werden die Werte ermittelt, die für die Darstellung der wirtschaftlichen Situation eines Unternehmens erforderlich sind.
Die detaillierte Darstellung von Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung wird in einem eigenen Lexikon-Beitrag behandelt.